Paul Blau
Aus der noch immer nassen Sehnsucht, aus der niemals gestillten, aus dem unvollkommenen Bild, aus der unfertigen Zeichnung, aus den Augen, die eine undurchsichtige Farbe tragen, daraus lebe ich, aus dieser schmerzlichen Erwartung, aus diesem wellenvollen Strom. Die Unerreichbarkeit ist mein Strohhalm, der mit mir versinkt, der es nicht zu Ende bringt.
Da ist dieses weiche Gesicht in der Metro, das kurz vor einem Lächeln innehält, da ist das dunkelhäutige Kind, das sich mit einem glänzenden weißen Fettstift über seine schwarzen Lippen fährt, es ist lockig und bunt wie der afrikanische Kontinent, da ist die alte Dame, die zwischen dichtgedrängten Körpern hindurchsteigt, um einen entfernten freien Sitzplatz zu ergattern, während der Zug sich bereits wieder in Bewegung setzt, da ist die Schönheit einer Frau, die so jung ist, dass es mir unmöglich erscheint, auch nur einen einzigen Gedanken an sie zu Ende zu denken.
Alle sind sie unerreichbar, alle sind sie wie die Verse einer Poesie, die wartet, bis das, was fertig gestellt ist, wieder auseinanderreißt, damit sie sich von neuem auf die Suche begeben kann nach der Zusammensetzung der Sprache, nach den richtigen Worten, nach den falschen, die mich dazu auffordern, das Ungelöste fortzusetzen.
Da sind die Sätze in unleserlicher Schrift, die neben die blinkenden Willkommens-Slogans der Sexshops am Place Pigalle hingeschrieben worden sind und die niemand versteht. Zum Glück sind sie ein Ratespiel und sichtbar nur für den, der sie bereits kennt.
Ich frage nicht mehr nach dem Erreichbaren, dem ich misstraue. Die Wahrheit ist, dass es keine Gesichter gibt und keine Namen. Und auf den Straßen sind die Fragezeichen aufgereiht, als wären sie Hinweisschilder.